Erwartungen und Glück.

Erwartungen.

Jeder von uns kennt sie. Aber was meinen wir eigentlich genau, wenn wir von Erwartungen sprechen.

Eine Erwartung – Was ist das? 

Es ist eine persönliche Annahme, was jemand tun, sagen oder wie jemand reagieren würde oder meiner Meinung nach sollte. Es beschreibt etwas in der Zukunft liegendes, was aber in meiner Vorstellung auf eine bereits relativ klare und eindeutige Weise geschehen wird oder soll. Erwartungen kommen von mir und ich habe sie in Bezug auf mich – aber vor allem bezogen auf andere. Ich stelle Erwartungen im Prinzip in den Raum, zwischen mich und mein Gegenüber und erwarte, WARTE also darauf, dass sie erfüllt werden oder eben auch nicht. Denn da kommt der nächste wichtige Punkt ins Spiel. Erwartungen werden nicht nur weil ich sie habe, automatisch erfüllt. Erwartungen können genauso gut unerfüllt bleiben und ich kann dann enttäuscht werden. Das geschieht, wenn mein Gegenüber nicht die selben Erwartungen wie ich hat, wenn mein Gegenüber meine Erwartung nicht kennt oder auch, wenn mein Gegenüber meine Erwartungen nicht erfüllen möchte/kann.

Wo kommen sie her?

Eine Erwartunge entwickelt sich bei mir. In meinem Kopf entstehen Gedanken, im Herzen Gefühle. Erst dann trage ich sie nach außen. Wichtig: Ich bin für meine Erwartung verantwortlich und kann sie verändern, wenn ich das möchte. Wenn ich gewisse Dinge und Situationen z.B. als (besonders) angenehm empfinde, kann es sein, dass ich das wiederholen möchte. Ich würde also eine Situation gerne noch einmal erleben und erwarte, dass sie wieder genauso toll wird. Indem ich eine Erwartungshaltung entwickle, dass der Urlaub dieses Jahr genauso klasse oder spektakulär wird, wie der letztes Jahr, setze ich mich unter Druck. Ich erwarte, dass genauso tolle Situationen entstehen, ich erwarte, dass genauso tolle Menschen in mein Leben treten, ich erwarte, dass ich genauso wundervolle Momente erleben werden. Das muss ich aber natürlich nicht. Und jetzt kommt meine eigene Haltung ins Spiel. 

Dass wir Erwartungen haben ist ganz normal und wirklich menschlich. Wir sind es von klein auf gewohnt, zu vergleichen und indirekt auch zu bewerten.

Bewusst damit umzugehen, verändert die Wahrnehmung und im nächsten Schritt auch die Erwartungshaltung. Wenn ich weiß, und vor allem zu schätzen weiß, wie klasse der Urlaub letztes Jahr war und wie einmalig er gleichzeitig war, kann ich mich innerlich auf den nächsten Urlaub freuen, ohne dass ich ihn vergleichen und bewerten muss. Statt Druck zu spüren, kann ich mich gelassen und entspannt auf den nächsten Urlaub freuen.

Was bringen sie uns? Woran hindern sie uns?

Eine Erwartung zu etwas zu haben kann mich dabei hindern, positiv überrascht zu werden.Wenn ich erwarte, dass etwas nicht gut läuft, sehe ich vielleicht gar nicht, dass es eigentlich doch ziemlich gut läuft. Meine innere Einstellung beeinflusst meine Gefühle und es ist schwer, meine Erwartungen zu widerlegen. Aber auch anders herum, wenn ich große Erwartungen habe und meine Erwartungen enttäuscht werden, bringt mich das in eine blöde Situation. Denn enttäuscht zu werden fühlt sich nicht gut an. Ganz im Gegenteil, es wird mich im schlimmsten Fall in Zukunft sogar daran hindern, positiv zu denken. Um den Mut nicht zu verlieren ist es daher nicht ratsam, wahllos die höchsten Erwartungen an sein Gegenüber zu stellen. Erst wenn ich genau weiß, wie mein Gegenüber denkt und handelt – also in einer guten Freundschaft – kann ich mit Erwartungen sicherer unterwegs sein. Ich kann also erwarten, dass meine Erwartungen erfüllt werden. Das passiert, wenn Menschen mit der selben Wertschätzung sich treffen. Wir schauen dann nicht danach, was ich dir gebe und was du mir gibst. Wir erWARTEN dann nichts von dem anderen, sondern wir leben mit einer Gewissheit, dass wir fein miteinander sein können und genießen den Augenblick. Vertrauen spielt dabei eine große Rolle. Statt Erwartungen zu haben, dass der andere mich unterstützt, verTRAUe ich darauf, dass es geschieht und kann ihn auch einfach bitten ohne wortlos darauf zu warten. Aus Erwartung kann Vertrauen wachsen.

Zu beobachten, was Erwartungen mit uns machen und wohin sie führen können ist spannend.

Das können wir über den Tag verteilt in vielen Situationen tun.

Bei der gemeinsamen Arbeit fällt dabei auf, wie wichtig es ist, dass klar und ehrlich kommuniziert wird. Wenn etwas von dir erwartet wird, was du nicht leisten kannst oder du gar nichts von der Erwartung weißt, wird es zu einem Konflikt kommen.

Genau so kann es auch in einer Partnerschaft laufen. Wenn du mir nicht genau sagst, was du möchtest, oder was du nicht magst, kannst du viel hoffen, wünschen und erwarten, aber im Endeffekt kannst du auch völlig auf der Strecke bleiben und enttäuscht werden. Wie wichtig ist es auch hier, seine Erwartungen zu äußern… Denn Erwartungen sind nichts anderes als Wünsche. Oder Ängste.

Wir erwarten oft bestimmte Reaktionen. Oder auch Verständnis. Warum?

Aus unterschiedlichen Gründen.
Wenn wir nicht aufpassen, erwarten wir manchmal zu viel von unserem Gegenüber. Aber wenn Erwartungen übertroffen werden, ist das ein super Erfolgserlebnis. Streben wir unterbewusst nicht alle danach? Wenig zu erwarten, aber viel zu bekommen? Wie oft hören und sagen wir selbst den Satz: ich habe keine Erwartungen, dann werde ich auch nicht enttäuscht. Lassen wir uns da wirklich lieber überraschen? Glaub ich nicht. Ich glaube, es ist Selbstschutz vor Enttäuschungen.

Gar keine Erwartung zu haben ist nämlich schwer. Ich meine sogar, dass es unmöglich ist. Und: unnötig. Wer kann sich denn völlig davon frei machen? Selbst die kleinste Erwartung an eine Situation oder einen Menschen und sogar an mich selbst kann Folgen haben. Sogar Neugier auf etwas Unbekanntes birgt eine gewisse Erwartung in sich: etwas Neues auszuprobieren bedeutet nämlich, sich selbst neu kennenzulernen! Und dabei kann ich viel lernen. Ich erwarte also, dass es mir etwas bringt: eine Erfahrung. 

Können wir also aus unseren ganzen Erwartungen vielleicht Erfahrungen machen? Erfahrungen, die uns persönlich wirklich weiter bringen? Anstelle Erwartungen, die von außen erfüllt werden sollen? Trau ich mich das? VerTRAU ich auf  mich und mein Unfeld?

Ich drehe jetzt den Spieß um und fordere euch mit mir zusammen heraus: let’s be honest! Lasst uns ehrlich zu uns selbst sein. Erwartungen sind völlig ok, denn wenn wir auf uns und unser Gegenüber vertrauen, wissen wir, was wir uns wünschen. Wir machen dabei verschiedene Erfahrungen, die uns weiter bringen, weil wir dazu lernen. 

Überfordern wir uns und unser Gegenüber also nicht mehr. Ehrlichkeit – und zwar wirklich echte – ist unerlässlich. 

Wenn du weißt, was du willst, heißt das nicht, dass der andere das auch weiß. Der andere weiß vielleicht nicht mal, was er selbst will. Und selbst wenn er weiß, was ihr beide wollt, heißt das nicht, dass er dir das sofort geben kann. Vieles braucht Ehrlichkeit, Übung, Zeit, Geduld.

Und erst wenn wir uns das alles geben, können wir auch Erwartungen haben, weil wir darauf vertrauen können, dass unsere Wünsche erfüllt werden. Vernünftige Kommunikation ist auch hier mal wieder der Schlüssel. Und an diesem Schlüsselbund hängt auch ein Herzanhänger. Denn mit Liebe werden wir auch die richtigen Worte finden! 

Heute ist ein guter Tag um ehrlich zu sein und über unsere Erwartungen nachzudenken. Denn heut ist mal wieder Bergfest-Mittwoch. Und wenn du die Mitte der Woche erklommen hast, hast du wie auf einem Berg Weitsicht für den Rest der Woche… 

In diesem Sinne, eine schöne zweite Wochenhälfte! ❤️?? 

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